In seiner Neujahrsrede ruft Van der Bellen die Österreicher dazu auf, „mehr miteinander“ zu sprechen. „Wir haben uns in den letzten Jahren angewöhnt, uns vor allem mit denen zu unterhalten, die ohnehin derselben Meinung sind wie wir“, so der Präsident. Er betont die Notwendigkeit, über Meinungsunterschiede hinweg zu kommunizieren.
Wahljahr 2024
Mit Blick auf das Wahljahr 2024 appelliert Van der Bellen an die Parteien, „Argumente statt Anschuldigungen“ auszutauschen. Er spricht sich für konstruktive Debatten aus, warnt jedoch vor emotionalen Wahlkampfstrategien: „Emotionen werden meistens dann eingesetzt, wenn die Argumente ausgehen.“
Zweifel an seiner Objektivität
Van der Bellen fordert die Bürger auf, die wahlwerbenden Parteien genau zu prüfen. „Prüfen und beurteilen Sie die wahlwerbenden Parteien bitte auch danach, was sie aus den Menschen hervorholen“, betont er. Dieser Aufruf lässt Zweifel an seiner Objektivität als Staatsoberhaupt aufkommen.
Klimakrise im Fokus
Der Bundespräsident thematisiert auch die Klimakrise und kritisiert Klimaskeptiker: „Wie ignorant muss man sein, um das nicht wahrzunehmen?“ Er appelliert, Fakten und Wissenschaft zu respektieren und spricht sich gegen Leugnung wissenschaftlich belegter Fakten aus.
Plädoyer für Zuversicht
Trotz seiner deutlichen Positionierung in politischen Fragen, betont Van der Bellen die Stärken Österreichs und ruft zu Optimismus auf. Er beschreibt Österreich als „leistungsfähige, einfallsreiche, mitfühlende, friedliebende und wohlwollende Gesellschaft“ und wünscht ein erfolgreiches Jahr 2024.
Fazit und Ausblick
Insgesamt zeigt Van der Bellens Neujahrsansprache eine deutliche Positionierung in aktuellen politischen Fragen, die Zweifel an der geforderten Neutralität seines Amtes aufkommen lässt. Seine direkten Appelle an die Bürger und seine klare Haltung in der Klimapolitik stehen im Kontrast zu der erwarteten parteiübergreifenden Objektivität eines Bundespräsidenten.
Rede im Wortlaut
Liebe Österreicherinnen und Österreicher und alle, die in Österreich leben!
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und hoffe, Sie hatten einen guten Rutsch.
Wir alle haben Hoffnungen und Wünsche für das neue Jahr. Hier sind einige meiner wichtigen: Ich wünsche mir, dass es uns als Gesellschaft gelingen möge, wieder mehr miteinander zu reden. Und weniger übereinander.
Wir haben uns in den letzten Jahren angewöhnt, uns vor allem mit denen zu unterhalten, die ohnehin derselben Meinung sind wie wir. Und ich glaube, dass das auf Dauer nicht gut für unser Zusammenleben ist. Abgesehen davon, dass es langweilig ist. Wer sich immer nur in der eigenen Meinung bestätigen lässt, wird nie zu neuen Erkenntnissen kommen.
Lassen Sie uns wieder mehr miteinander reden. Und wenn’s geht, lassen Sie uns dabei nicht ständig in entweder/oder-Kategorien fallen. Schauen wir, dass wir uns nicht nur in den extremen Rändern unterhalten. Schauen wir doch auch einmal, was sich in der Mitte abspielt. Und um in diese Mitte zu gelangen, müssen wir uns alle bewegen. Das war immer der österreichische Weg und ich hoffe, dass wir in Zukunft wieder mehr danach handeln.
Besonders in diesem Jahr werden wir die Fähigkeit, miteinander zu reden, brauchen: Es stehen verschiedene Landtagswahlen, Gemeinderatswahlen, eine Wahl zum Europäischen Parlament und eine Nationalratswahl bevor. Und davor und dazwischen jeweils ein Wahlkampf.
Und auch da habe ich einen Wunsch: Es möge den wahlwerbenden Parteien gelingen, Argumente auszutauschen statt Anschuldigungen. Und Ideen statt Verwünschungen. Und gerne auch konstruktiv zu streiten, aber dabei niemals den Boden der Vernunft zu verlassen. Ich habe nichts gegen Emotionen, aber in Wahlkämpfen werden sie meistens dann eingesetzt, wenn die Argumente ausgehen. Und dann holen sie selten das Beste in uns hervor.
Prüfen und beurteilen Sie die wahlwerbenden Parteien bitte auch danach, was sie aus den Menschen hervorholen. Daran kann man ganz gut erkennen, ob es sich um konstruktive Kräfte handelt oder nicht.
Ja, ich wünsche mir Vernunft für unsere Heimat. Ich wünsche mir Vernunft in allen politischen Parteien. Denn es wird auch eine Zeit nach der Wahl geben und da sollten wir alle einander noch in die Augen sehen können.
Meine Damen und Herren,
es wird auch eine Zeit nach unserer Zeit geben. Ich wünsche mir, dass unsere Kinder und Enkerl dann auch noch einen lebenswerten Planeten, ein lebenswertes Österreich vorfinden.
Der Klimanotstand, der Treibhauseffekt sind wissenschaftlich bewiesen und wir alle erleben die Folgen doch mittlerweile quasi jede Woche. Wie ignorant muss man sein, wie entfernt von der Natur, um das nicht wahrzunehmen? Und die Wissenschaft, die Fakten, die Wahrheit ändern sich nicht, nur weil wir sie nicht glauben.
Ja, das wünsche ich mir auch für 2024: Dass wir nicht an Fakten rütteln, an denen es nichts zu rütteln gibt. Setzen wir unsere Energie lieber dafür ein, die Probleme zu lösen.
Meine Damen und Herren,
wissen Sie, was ich mir noch erhoffe für uns? Mehr Zuversicht. Ich weiß, manchmal wird man schief angesehen oder für naiv gehalten, wenn man zuversichtlich ist. Aber ich sage Ihnen: Wir brauchen die Zuversicht, um zu überleben. Und wenn man sich einmal angewöhnt hat, nach den guten Dingen Ausschau zu halten, dann sieht man plötzlich immer mehr davon.
Und es gibt trotz aller Herausforderungen immer noch uns. Wir sind eine
leistungsfähige Gesellschaft, eine einfallsreiche, mitfühlende, eine friedliebende und wohlwollende Gesellschaft.
Und wir haben alle Fähigkeiten und Eigenschaften, die wir brauchen, um eine gute Zukunft zu bauen: Unsere Wissenschaft und Forschung. Unsere Kunst.
Unsere Wirtschaft. Unsere Kraft und Energie. Unsere Neugier. Unsere Offenheit. Unsere Solidarität. Unsere Menschen. Wir alle tragen etwas bei. Mit dem, was wir eben können.
Meine Damen und Herren,
das sind so Dinge, die ich mir für uns alle wünsche. Ich glaube fest daran, dass sie in Erfüllung gehen werden. Ich wünsche Ihnen ein großartiges Jahr 2024. Möge es noch besser werden, als Sie es erwarten.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!